Barbenfleisch OK?

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michuuuprobst
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Barbenfleisch OK?

Beitrag von michuuuprobst » So 22. Okt 2017, 23:01

guten tag,

ich habe eine 70cm barbe gefangen doch das fleisch hat bunkte flecken braun . ist das normal, oder wie soll das fleisch ausehen? sie hatte auch laich im bauch im oktober. ist der fisch geniessbar?
IMG-20171022-WA0001.jpg
Zuletzt geändert von Bad Ass Fisherman am Mo 23. Okt 2017, 07:16, insgesamt 1-mal geändert.

Bad Ass Fisherman
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Re: Barbenfleisch OK?

Beitrag von Bad Ass Fisherman » Mo 23. Okt 2017, 07:13

Also eigentlich ist das garnicht normal!!!

Ob das essbar ist, keinen Plan...
Gekocht wohl schon da ja die Keime, viren, baktierien,absterben...

Aber das würde ich mir trotz allem überlegen..
Ich würde sie als köder noch verwenden, zum essen wohl eher weniger.

Barben sollen in der Laichzeit giftiges Blut haben!
Die ist aber erst im Frühjahr und angeblich geht das Gift kaput beim Kochen...
Neben bei sollte man Barben aus vielen Gewässer der Schweiz nicht essen!!! Da es sich hier um einen Fisch handelt der einen sehr hohen Dioxin und PCB gehalt im Fettgewebe einlagert was beim Kochen ins Fleisch übergeht... Gibt da paar studien vom AWEL!!

Also in unserer Gegend isst man sie nicht seit ca.50Jahren...

Zum Fleisch das du fotografiert hast kann ich nicht mehr sagen.
Mfg
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Re: Barbenfleisch OK?

Beitrag von astacus » Mo 23. Okt 2017, 11:05

Immer wieder diese Sache mit der angeblich giftigen Barbe...

Die Barbe hat, wie viele andere Fische auch, ein Ichthyotoxin (="Fischgift") im Blut, nämlich Dinogunellin. Bei der Barbe ist es auch im reifen Laich der Weibchen (Rogen) enthalten. Dieses Gift löst u.a. Übelkeit und Erbrechen aus. Für eine tödliche Dosis müsste man aber dutzende Barben bzw. deren Laich essen. Sonst ist es recht harmlos. Dass Dinogunellin auf die Bauchlappen übergeht, dafür habe ich noch nirgends eine Bestätigung gefunden, ich halte es für eine Legende. Es handelt sich um eine sehr instabile chemische Verbindung, es zersetzt sich daher recht schnell bei Kontakt mit Luft und wird bei Hitze über 70°C vollständig zerstört. Gegart ist also jede Barbe geniessbar, theoretisch auch deren Laich. Gut zu wissen ist auch: Fast jeder Fisch enthält Dinogunellin, manche mehr (Aal und Wels), manche weniger (Forellen, Karpfen). Die Barbe befindet sich wohl ca. im Mittelfeld, wobei ich aber noch keine exakten Zahlen gefunden habe. Früher wurden Barben sehr oft gegessen und insbesondere auch während der Laichzeit dafür gefangen. Gestorben sind die Leute daran nicht... Mehr Vorsicht ist tatsächlich beim Aal geboten, der besonders im Blut (aber auch in der Schleimschicht) höhere Dosen an Dinogunellin beinhaltet.

PCB's und andere Umweltgifte sind tatsächlich ein Thema, die Konzentrationen sind aber von Gewässer zu Gewässer unterschiedlich. Über deren Gesundheitsgefährdung für den Menschen ist wenig bekannt, es ist aber von starken, langfristig wirksamen Auswirkungen auszugehen. Wenn du aber nur wenige Barben pro Jahr isst, befindest du dich aber trotzdem noch deutlich unter dem gesetzlich zulässigen Grenzwert für Lebensmittel. Die Konzentration an PCB's in Barben aus belasteten Gewässern liegt teilweise oberhalb des gesetzlichen Grenzwertes für Lebensmittel, wenn du aber nur wenige Barben pro Jahr isst, ist die aufgenommene Dosis immer noch deutlich geringer als der Schwellenwert, der für Schädigungen des Körpers angegeben wird. Konkretes Beispiel: Wenn du sonst keine Lebensmittel mit PCB's essen würdest, dürftest du nach den WHO-Empfehlungen als erwachsener Mann rund 100 kg Barbenfleisch aus der stark belasteten Glatt essen.

Oder anders gesagt: PCB's sind schädlich und deren Eliminierung ist unbedingt anzustreben, aber dem gelegentlichen Fischkonsum stehen sie nicht im Wege, auch nicht bei Barben.

Und dann noch zu deiner eigentlichen Frage:
Die braunen Flecken kann ich auf Anhieb auch nicht bestimmen. Für mich sieht das irgendwie nach kleinen Blutungen aus. Wenn du das Fleisch einschneidest, würdest du sehen, ob sie nur auf der Fettschicht an der Oberfläche sitzen oder ins Fleisch hinein gehen. Sonst könntest du einfach noch die oberste Fettschicht wegschneiden. Aber selbst wenn: Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Flecken irgendwie gesundheitsgefährdend sind, da das Fleisch sonst sehr gut und gesund aussieht.
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Re: Barbenfleisch OK?

Beitrag von Bad Ass Fisherman » Mo 23. Okt 2017, 14:20

PCB würde ich nur schon wegen den neusten Studien mit Fischotter und co. aus dem Weg gehen wenn ich kann!!

Die zeigen ganz klar das sich dieser Mist sich in uns und den Tieren anreichert...
Wenn man des öffterens solche Fische ist, auch einmal im Jahr, hat man einen klar höheren Dioxin\PCB gehalt als ohne... Und wie lange es geht bis es wieder aus dem Organismus drausen ist weis man noch nicht.

Bei mir ist und bleibt so, es ist mir Risiko nicht Wert, im alter an so einem Mist zu erkranken oder mich wegen so was allen falls in Behandlung zu geben.

Ich sage auch nicht das jedes Gift gleich zum Tode führt. Wenn ich es aber vermeiden kann etwas Giftiges in mich aufzunehmen, werde ich das auch machen.
Und in unserer Region soll man nach wie vor auf Barbenfleisch verzichte, egal ob im Greifensee oder in der Glatt gefangen.. Auch wenn sie für den Greifensee wider freigegeben ist.
Man weiss nicht woher die Tiere kommen, mir wäre es zu heikel.

Ich habe nicht gesagt das die Barbe auf grund ihrer, Giftigkeit.., in anführungszeichen..., nicht essbar ist..
Sonndern eher wegen ihrem Verseuchtheitsgrad.
Mfg
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Re: Barbenfleisch OK?

Beitrag von Lutra » Mo 23. Okt 2017, 17:01

In der Schweiz wirst Du nie an PCB vorbei kommen. Wenn Du NetzNatur über die Rückkehr des Fischotters gesehen hast weist Du ja auch, dass Fische dirkt an Gletschern eine höhere PCB Belastung haben als solche im Flachland.
Ich wusste ja, dass unsere Gewässer nicht so ganz gesund sind, aber was da gesagt wurde hat mich dann schon noch beeindruckt, wenn nicht sogar geschockt.
Und unsere Bauern werfen 2x soviel Pestizide auf die Felder als das EU Umland.....
Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

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Re: Barbenfleisch OK?

Beitrag von Bad Ass Fisherman » Mo 23. Okt 2017, 18:34

Ja genau diese Doku.

Ich hätte vorher auch nicht gedacht das es so arg war und bis Heute immer noch ist.
Hat mir Persönlich etwas die Augen geöffnet.
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Re: Barbenfleisch OK?

Beitrag von astacus » Mo 23. Okt 2017, 20:30

Es muss jeder selber wissen, was er oder sie isst. Tatsache ist und bleibt aber, dass eine Portion einer Zürcher Barbe etwa gleich viel PCB aufweist wie zwei Portionen Zuchtlachs. Das spricht nun nicht unbedingt für die Qualität von Zuchtlachs. Aber die meisten Leute stopfen sich sowas rein und werden trotzdem 80 Jahre alt. Also kein Grund wegzuschauen, aber eben auch kein Grund zur Panik.

Der Durchschnittsschweizer nimmt über die gewöhnlichen Lebensmittel etwa 100-200 pg PCB's pro Tag auf. Ob das nun viel oder wenig ist, sei mal dahingestellt. Eine Portion einer recht stark belasteten Barbe aus der Glatt - um einfach ein Beispiel zu nehmen - enthält rund 200 pg PCB's. Klar nimmt man damit eben nochmals mehr PCB's auf, aber wenn man das nur wenige male pro Jahr isst, dann ist die zusätzlich aufgenommene PCB-Menge im Verhältnis sehr gering.
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Re: Barbenfleisch OK?

Beitrag von Bad Ass Fisherman » Di 24. Okt 2017, 07:04

Ok ja, panik ist da wirklich falsch platziert.
Rein rechnerisch gesehen muss ich dir schon recht geben.

Wir haben ein paar ältere Herren im (verein) die jährlich 3-10Barben essen aus unserem Revier.
Sie sind soweit fit und munter, einer gar 96jährig...

Neben bei komme ich beim Pilzesammeln ja auch nicht am PCB vorbei..

Ich wüsste aber trotz allem noch gerne was das für Flecken auf dem Fleisch der Barbe sind..
Hoffentlich kann das noch jemand aufklären.
Mfg
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