Neuseeland - vom „Troutfishing Mekka“

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Roland56
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Neuseeland - vom „Troutfishing Mekka“

Beitrag von Roland56 »

Wenn man denn schon mal etwas länger im Land ist sollte man ja wohl auch das, DAS «Troutfishing Mekka» in Neuseeland besuchen. Das soll der Tongariro Fluss sein. Im Ort Turangi an seinem Ufer am Lake Taupo bezeichnet sich gefühlt denn auch etwa die Hälfte der Einwohner als Troutfishing guide, und jedes zweite Haus ist eine Fishing lodge. Na ja, Fischer neigen etwas zu Übertreibungen. Aber es kommt einem schon etwa so vor, wenn man zum ersten Mal in den Ort hier einfährt.
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So sehen denn die Forellen etwa aus die man hier fangen kann. Diese von heute Morgen wog 4 Pfund und war 58 cm lang. Die meisten sind so um die 1 – 1.5 kg schwer. Also keine Twizel Kanalmonster, aber kampfstark wie Anton. Und das in der oft starken Strömung im Fluss – echt cool!
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Der Tongariro ist der Hauptzufluss des Lake Taupo. Der 500 m tiefe See liegt in der Caldera eines Supervulkans, der vor 26'500 Jahren ausbrach. Durchmesser: 30 km! Das Gebiet hier ist denn auch durch die Vulkane geprägt die immer etwa wieder ausbrechen. So ähnlich wie der Ätna, nur ist das Fischen hier viel schöner. Aber das Essen ist am Ätna dafür besser!
A propos «Trout Mekka». Es soll dann noch ein zweites geben, um Gore auf der Südinsel. Beide Orte haben das Gefühl, sie seien Mekka. Ich fing hier im aber Tongariro besser und die grösseren Forellen!
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Von Claudio Wyss aus dem Kanton Schwyz, der sich von einer fliegenfischenden Neuseeländerin bezirzen liess und nun seit mittlerweile fünf Jahren im Ort lebt liess ich mich ins Czech - Nymphenfischen einführen. Wir gingen an den Fluss, zweiter Wurf und er hatte diese Forelle dran. Ich übte 15 Minunten unter seiner Anleitung, kein Biss. Ich wollte ihm nochmals genaer zuschauen. Er nahm meine euronympfmässig aufgeriggte 5 weight Rute, erster Wurf, boing! Ich glaubte es nicht! Ich schreibe hier gar nicht, wieviele Forellen er hier an seinem besten Tag in den letzten fünf Jahren fing – das glaubt mir ohnehin keiner! Aber es waren wirklich erstaunlich viele! Jeder kennt Claudio hier übrigens unter dem Namen "Swiss Cheese"!
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Unterdessen habe ich auch eine dieser 10 Fuss langen leichten weichspitzigen Czech Nymphingruten der Wurfklasse 3. Man spürt jeden Stein und jeden Biss, na ja, ich noch nicht so wie man könnte. Das Werfen ist eigen, volle Konzentration die ganze Zeit um die Nymphe richtig zu führen und die Bisse nicht zu verpassen. Und dann die Fische die abgehen wie Raketen zu landen mit diesen weichen Ruten ist auch so eine Sache. Wie sagte Freund Urs Wehrli, je weicher und länger die Rute, desto grösser der Feumer!
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Allerdings ist man dann schon nicht ganz allein am Fluss. Na ja, in Mekka ja auch nicht! Auf der Südinsel fragte ich mal einen Bauern, ob ich über sein Land an den Fluss gehen dürfe zum Fischen. "No problem, just close the gates", meinte er, aber es kämen immer mehr Fischer her. Ich fragte ob denn schon jemand anderes am Fluss sei. Und er meinte, ja, vor zwei Tagen (!) seien auch schon zwei Fischer hier gewesen! :D
Also, wenn das hier als hoher Befischungsdruck gilt, was ist denn die Eglifischerei unter der Schleuse Port im Oktober? Allerdings: Es gilt eine Nettikette am Fluss einzuhalten, genaue Regeln wer wann wo und nach wem in einem Pool fischen darf. Und wehe, wenn man sich wie ich mal aus Versehen selbst in grossem Abstand vor einem Streamerfischer stellt – dann gibt’s aber sofort ein lautes Hallo! Recht so, sollte bei uns auch so sein! Grüssen, fragen, und sich an die ungeschriebenen Regeln halten! Es gibt sogar eine freiwillige Rangertruppe die diese Regeln prüfen soll, hörte ich, und im Streitfall schlichtet oder aber auch die Polizei ruft die auch kommt!
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Eine solche Bombe nutzte ich in den tiefen strömungsintensiven Pools, da wo die grossen Brocken sitzen. Diese Nymphenbomber geben echt Kopfweh, wenn man sie sich versehentlich von hinten an den Hinterkopf knallt. Machen aber nur die Anfänger!
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Das Delta des Tongariro ist weit verzweigt und ein Paradies für die Browntrout die bis zu 5 kg und mehr wiegen können. Präzise Würfe mit der Trockenfliege oder leichten Nymphen oder Zikadenimitationen bringen hier den Erfolg! Ich muss noch etwas üben, es hat mir zuviele Büsche da!
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Gestern war Sturm. 140 mm Regen in 24 h, der Fluss ging hoch und war braun wie eine Ochsenschwanzsuppe. Aber heute klarte er auch wieder schnell auf. Und das Fischen, aber hoppala, war einfach nur einmalig. Mit dem Regen stiegen viele frischer Forellen vom See her ein. Ich war um 6 am Fluss, um 9 standen hier schon 8 Fischer – und die Nettikette wurde wohl von einigen auch vergessen! Die Tageslimite sind übrigens sech Fi-sche. Bisher waren es deren drei. Grund: Nun setzt euch mal hin, liebe Forumsleser. Es hat zuviele Forellen im Fluss! ZU VIELE! Grund: Die Forel-len haben hier kaum Feinde. Nur die grösseren Forellen. Keine Egli, Zan-der, Hechte, Gänsesäger, einige wenige Kormorane, und die Fischer, das ist alles. So wurden in den letzten Jahren die Forellen immer kleiner, und im See waren sie eher mager und unterernährt. Nach Untersuchungen von «Fish and Game» sei das Futterangebot zu gering, daher sollten die Fi-scher mehr Forellen entnehmen. Allerdings praktiziert der grösste Teil der Fischer «catch and reliese».
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Schmecken Forellen eigentlich gut? Fragt das doch mal einen Neuseelän-der! Die meinen zum grossen Teil, Forellen seien Mudfische und riechen nach Schlamm. Also bestenfalls noch geräucht geniessbar, aber doch am besten in Stücke schneiden und dann im Meer als Köder für Snapper und Hapuka usw. benutzen. Echt, das machen die da! Aber auch Egli gelten als Bonefish und Pestfish und somit als ungeniessbar. Aber schaut euch mal das Fleisch der Forellen auf dem Bild an! Die fressen v.a. Süsswasser-krebse, daher ist das Fleisch so rot! Schmeckt vorzüglich! Aber wenn ich jemandem zu einem Forellenznacht einladen will muss ich immer vorher fragen, ob er denn auch Forelle isst! Sonst bereite ich je nachdem dem Neuseeländer gar keine Freude. Allerdings muss ich zugeben, lieber Forellenliebhaber. In einigen Gewässern haben die Forellen wirklich einen «muddy» taste oder schwefeligen Geschmack!


Und wenn dann der Arm vom Werfen schmerzt oder einem einfach mal nach dem vielen Fischen nach einer Abwechslung zu Mute ist, dann kann man ab in die Höhe nach Zermatt. Na ja, das heisst hier Ruapehu Whakapapa Ski Area. Und man fährt dann auf weissem Schnee in pechschwarzer Lavalandschaft Ski. Und rennt zur Zeit mit der Maske rum wie in der Schweiz. Und das ganz ohne Freiheitstreichler – die wären hier in NZ echt eine Attraktion!

10 Mt. Ruapehu tussok grass plane.jpg
So, ich muss noch etwas Nymphen binden für morgen, Hair and Copper und Fasantail, Grösse 14 oder 16. Ich habe einfach zu grobe Finger dafür und brauche eine Ewigkeit, bis so eine nach meinem Geschack fängig gebunden und fertig ist!
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Trucha89
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Re: Neuseeland - vom „Troutfishing Mekka“

Beitrag von Trucha89 »

Schöne Berichte von Dir Roland :D. Wünnsche Dir weiterhin viel Spass und Gesundheit.

Grüessli
El Rio
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Loup
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Re: Neuseeland - vom „Troutfishing Mekka“

Beitrag von Loup »

Tongariro River, ein magisches Wort. Als ich das Wort gelesen habe erhöhte sich mein Puls sicher ein bisschen. Ganz so schlimm mit dem Fischereitourismus wie Heute von dir beschrieben, war es vor 40 Jahren bei meinem Besuch sicher nicht.
Aber vergleichen konnte man das schon damals nicht mit den unzähligen guten Spots auf der Südinsel, wo man wohl an einem guten Ort 14 Tage hätte fischen können, ohne einem anderen Fischer zu begegnen.
Auf jeden Fall ein herzliches Dankeschön für deinen Bericht über den Fluss der Flüsse für Regenbogenforellen in Neuseeland.
Für dich kommt ja jetzt der Frühling und Sommer, wünsche dir wenig Regen und Wind :wink: , und immer wieder mal einen guten Fisch am Haken.
Gruss vom Murtensee
Loup
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Uwe
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Re: Neuseeland - vom „Troutfishing Mekka“

Beitrag von Uwe »

Trucha89 hat geschrieben:
Sa 25. Sep 2021, 17:55
Schöne Berichte von Dir Roland :D. Wünnsche Dir weiterhin viel Spass und Gesundheit.
Dem kann ich mich nur anschliessen, merci für Deine Berichte :thx:
Gruss Uwe
Eine Seeforelle zu fangen ist wie ein wunderschöner Sonnenuntergang. Man kann es nicht beschreiben, man muss es erlebt haben.
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