Karpfen „light“

Hier kommen die Fragen und Antworten zum Karpfenfischen und dem Gerät rein.
Antworten
Andal

Karpfen „light“

Beitrag von Andal » So 16. Dez 2007, 16:52

Die Geschichte ist zwar schon bald drei Jahre alt, aber trotzdem...



Karpfen „light“ - im Monsun



Eigentlich wollten der Helmut und ich nur ganz arglos wieder einmal zum Fischen gehen. Da kam es uns gerade Recht, dass wir von einem renomierten Münchner Angelverein eine Einladung an ihren Vereinssee bekamen. Der liegt zwischen Holzkirchen und Rosenheim, hat knappe 90 ha und einen ausgezeichneten Fischbestand, besonders an Groß-Karpfen und Renken von stattlichem Format.



Leider machte uns der seit April anhaltende Dauermonsunregen wieder einmal einen Strich durch die Rechnung. Bootsangeln auf die Coregonen schied also aus, da wir vermutlich mehr Wasser geschöpft, als die Ruten gehalten hätten. Darum planten wir kurzerhand um und verlegten uns auf die Karpfen. Im See sind 40 Pfünder keine Seltenheit. Wir wollten den Tag nutzen, um aufzuzeigen, dass es durchaus sinnvoll ist, die Karpfen auch mit verhältnismäßig leichtem Gerät zu befischen, wenn es eben die Bedingungen und die Kürze des Ansitzes berechtigt erscheinen lassen.



Dementsprechend suchte man uns einen Angelplatz nahe des Einlaufes der Kanalableitung der Leitzach am Südende des Sees aus und fütterte uns die Stelle etwas an. Der Seegrund fällt hier recht flach ab und durch das einströmende Wasser bilden sich quer zum Ufer einige sehr schöne Sandbänke mit Wassertiefen zwischen 1,5 und 3 Metern. Die Bucht ist weitflächig hängerfrei und nur von wenigen und zudem sehr weichen Krautfeldern durchzogen. Sowohl für die Karpfen, als auch für uns und unser Vorhaben eine nahezu idealer Platz!



Wir fischten mit, anders als gemeinhin üblich, bewußt mit sehr leichtem, aber trotzdem ausreichend sicherem Gerät. Helmut mit zwei 1.75 lbs. Ruten, 5010 Baitrunnern von Shimano, 25er Mono und Laufbleimontagen, die mit Haarigs für Frolic bestückt waren.

Ich hatte eine 1.75 lbs Drennan und eine 1.50 lbs Ultimate Novell Barbel mitgebracht. Dazu normale Rollen ohne Freilauf (Shim. Aero GT und Mitchell 300X), ebenfalls mit 25er Mono bespulte. Allerdings bevorzuge ich mehr die Festbleimontagen. Ob der Bleigewichte sind das eigentlich keine herkömmlichen Selbsthakmontagen, so wie man sie sonst kennt, sondern mit maximal 1.50 oz. sehr leichte Fluchtmontagen, die gerade eben einmal gewährleisten, dass dem Fisch der Haken nicht direkt aus dem Maul fällt.



Das bedeutet aber keineswegs einen Nachteil in Sachen sicherem Haken des Fisches, wenn man denn bei seinen Ruten bleibt und bei einem Run sofort einen sanft dosierten Anhieb setzt. Die Haken fassen dann auch um keinen Deut schlechter, als bei sehr schweren Montagen. Ich sehe den Vorteil dieser leichten Fischerei vor allem darin, dass man direkt den Drill aufnimmt und die Aktivitäten des beissenden Fisches bereits viel früher an der Schnur, b.z.w. Rute wahrnimmt. Keine Frage, dass dies bei tagelangen Sitzungen natürlich nicht das Mittel der Wahl ist. Aber bei kurzen Eintagesausflügen bin ich damit eindeutig erfolgreicher!



Wir platzierten also unsere Köder relativ nahe am Ufer. Ein Brandungsangler würde die Stelle im übertragenen Sinne sicher als die erste Rinne bezeichnen. Das dieser Angelplatz gut und mit Bedacht von unseren Gastgebern gewählt und ebenfalls mit Frolic angefüttert wurde, zeigte sich bereits nach einer guten halben Stunde. Helmut hatte einen schönen Run auf einer seiner Durchlaufmontagen und konnte einen makellosen 12 pfündigen Spiegelkarpfen festmachen und nach einem kurzen aber kraftvollen Drill sauber und sicher landen. Dann allerdings strafte uns Petrus erst einmal mit einem satten Regenschauer, den wir, wie ein trautes Paar unter dem Schirm aussaßen.



Mit den letzten Tropfen dieses sehr feuchten Intermezzos war dann auch eines meiner Hundefutterringerl im Zentrum des karpfischen Interesses. An der 1.50 lbs. Rute inhalierte ein mindestens so schöner 12 pfündiger Schuppenkarfen das Frolic sammt dem 6er Owner Cutting Point. Auch dieser Fisch ließ sich ohne Probleme ausdrillen und landen bevor er uns, wie alle anderen Fische des Tages, wieder entglitt. Vermutlich lag das an der wirklich ausgesprochen feuchten Witterung.



Bild


Karpfen im Drill




Nach dem erneuten Auswerfen verging kaum eine Zigarettenlänge, als die offene Frontbremse meiner Mitchell schon wieder ein schnelles Surren von sich gab. Diesmal gab der noch unbekannte Fisch so richtig Gas und zog erst einmal geradewegs gut 40 m in den offenen See hinaus. Dort stellte er sich nur ganz kurz etwas stur und ließ sich brav in Richtung Ufer dirigieren, wo er zu einer erneuten Flucht, von mir aus gesehen nach rechts, ansetzte. Aber gegen die wirklich perfekte 2/3 Aktion dieser leichten Ultimaterute hatte er auf Dauer keine Chance und so kam nach einigen Minuten ein prachtvoller Schuppenkarpfen mit den Maßen 71 cm und 16,5 Pfd. zum Vorschein.



Bild
16,5 Pfund in Händen und Regenwasser im Nacken




Für diesen See ein Fisch mit mittleren Maßen! 40 Pfünder sind hier keine seltenen Größen.



Helmut konnte anschließend noch einen jugendlichen Brachsen mit gut 40 cm fangen und einen Aal, der sich den als Versuch angebotenen Tauwurm genehmigte. Der Aal war aber nur wenig größer als der Wurm. Zwischendurch öffnete der Himmel immer wieder seine Schleusen und es regnete wie aus vollen Eimern. Die Sintflut muss ähnlich gewesen sein.



Bild


Die Sonne scheint in Strömen




Trotz der widrigen Wetterbedingungen war es aber ein rundherum gelungener Angeltag, der uns vor allen Dingen aber bestätigt hat, dass es nicht immer die ganz schweren Geschütze sein müssen, wenn es darum geht, Karpfen mit modernen Methoden zu fangen! Bei kurzen Sitzungen und einem halbwegs freien Gewässer ist man auch mit leichtem Gerät sehr erfolgreich und fischt dennoch sicher und angepasst. Somit zur Nachahmung empfohlen.

Helmut

Beitrag von Helmut » So 16. Dez 2007, 17:01

Danke Andal für den Bericht, denke immer noch mit Freude an den Tag zurück :wink:

Am linken Bildrand war unser Angelplatz

Bild

Benutzeravatar
gonefishing
Fischerforum Ehrenmitglied
Beiträge: 4287
Registriert: Mi 7. Feb 2007, 09:25
Wohnort: Thunersee
Danksagung erhalten: 3 Mal
New Zealand

Beitrag von gonefishing » So 16. Dez 2007, 17:06

Danke für den tollen Bericht, freut mich immer besonders wenn ich etwas über die Gewässer meiner früheren Heimat lesen darf.

Leider durfte ich aber am Seehamer noch nie fischen...



Gruss, Mattu

Benutzeravatar
Rolf
Fischerforum Administrator
Beiträge: 4206
Registriert: Mi 30. Aug 2006, 12:34
Meine Gewässer: See und Fluss
Wohnort: Mittelland
Hat sich bedankt: 24 Mal
Danksagung erhalten: 22 Mal
Switzerland

Beitrag von Rolf » So 16. Dez 2007, 17:11

super Bericht und Pic`s,



vielen Dank Freunde :up:
Gruss Rolf

Rettet die Würmer, fischt mit der Nymphe!

Salmoniformes

Beitrag von Salmoniformes » So 16. Dez 2007, 19:24

sehr schön zulesender bericht, der mich in meinem vorhaben, mir zuerst eine fliegenrute zuzulegen und erst dann karpfengerät zukaufen ohne auf das ein oder andere verzichten zumüssen bestädigt :)

mal sehen, freu mich schon auf nächstes jahr...

Bachfischer

Beitrag von Bachfischer » So 16. Dez 2007, 19:47

Danke für den super Bericht und die schönen Bilder :up:

Antworten

Zurück zu „ Karpfenfischen und das Gerät“