Fliegen-Allround-Combo?

Die Geräteecke für den Fliegenfischer.
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Fliegen-Allround-Combo?

Beitrag von gonefishing » Mi 12. Dez 2007, 21:09

Irgendwie hat mich alten Spinnfischer die Idee gepackt auch mit dem Fliegenfischen anzufangen.

Wahrscheinlich weil ich wegen dem Forum hier meine Vorurteile abgebaut habe, und nicht mehr denke dass die Fliegenfischer ein arrogantes Pack Flachwasser-Golfer sind ;-)

Allerdings schwebt mir zum Einstieg erstmal das Fliegenfischen am See vor, und zwar am Bergsee mit Trockenfliege und Streamer auf Kanadier und Co, und am Murtensee mit Streamer auf Hecht und Egli.

Allerdings will ich mir erstmal nur eine Combo anschaffen. Gibt es so eine Allroundcombo (quasi eine 2.7m-Skeletor, gute Rolle mit 200m 0.28 Stroft für Fliegenfischer), oder gibt es solche eierlegenden Wollmilchsäue beim Fliegenfischen nicht?



Gruss, Mattu

Reverend

Beitrag von Reverend » Mi 12. Dez 2007, 22:00

Nun ja, für den See und für die Steamer - und nicht zuletzt, weil auch kleinere Hechte sicher zu landen sind - empfehle ich dir eine 7er oder 8er Rutenklasse. Am besten eine schnelle Rute für die weiten Würfe und für das Bissespüren auf weitere Distanz.



Fürs Trockenfliegenfischen allerdings solltest du lieber maximal eine 5er - oder 6er-Rutenklasse nehmen.

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Beitrag von gonefishing » Mi 12. Dez 2007, 22:13

Nun, weite Würfe werden am Anfang weniger vorkommen ;-)

Braucht's am Murtensee zum Hechtfischen auch nicht.

Aber was ist eine 'schnelle Rute'?

Die Bisserkennung bei der Trockenfliege erfolgt doch eh auf Sicht, und das Wurfgewicht ist auch nicht so unterschiedlich bzw. definiert sich eher über die Schnur.

Sorry wenn ich blöd frage, ich habe wenig bis keine Ahnung. Aber die Hauptschnur ist eh dick und schwer, das Backing spielt keine Rolle, und die paar Gramm von Vorfach und Fliege/Streamer sollten ja nicht so in's Gewicht fallen.

Will ja nicht an einer C&R-Strecke hypervorsichtige Fische überlisten, sondern nur am Saiblingspuff Oeschinensee ein paar Kanadier ärgern...

Wenn da das Gerät ein bischen zu schwer ausgelegt ist dürfte das kein Problem sein.



Gruss, Mattu

Wolfgang

Beitrag von Wolfgang » Do 13. Dez 2007, 02:17

Schnurklasse hat unser Reverend schon ganz richtig aufgeführt.

Bei der Rute bin ich etwas anderer Meinung, hier würde ich zu einer etwas langsameren, also "mittelschnellen" Rute raten, die Wurfweitenunterschiede sind nicht soooo bedeutend. Der Grund ist schlichtweg folgender, etwas langsamere Ruten verzeihen eher Wurffehler, man bekommt einen zwischendurch etwas versauten Wurf durch einen fehlerhaften Vor-oder Rückschwung damit oft wieder hin.

Schnelle oder gar superschnelle Ruten bedürfen eines doch schon recht hohen werferischen Könnens um ihre Vorteile wirklich nutzen zu können, sie verzeihen keine Fehler.

Wenn viel im Stillwasser oder an sehr breiten Flüssen gefischt werden soll, kann die Rute ruhig etwas länger als 2,70 ausfallen, also bis 3m.



An kleineren Gewässern und geringen Wurfweiten, insbesondere beim Trockenfliegenfischen haben aber Geräte der Klasse 7/8 jedoch schon gewisse Grenzen bezüglich der Präsentation.



Wenn sehr viel(fast ausschließlich) auf Hecht gefischt wird, kann eine höhere Schnurklasse(9) von Wert sein, da sich mit diesen "Prügeln" schwere Streamer besser befördern lassen.

Da hier die Schnur den Köder transportieren muß, ist es so, je schwerer der Köder um so schlechter das Wurfverhalten, also befördern schwere Schnüre schwere Köder besser als leichte Schnüre.



Die eierlegende Wollmilchsau gibt es gerade beim Fliegenfischen nicht!





mfg

Wolfgang

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Beitrag von zuma » Do 13. Dez 2007, 08:25

Hallo Mattu

Es wurde von meinen Vorpostern (v.a.Wolfgang) schon das Wesentlichste geschrieben. Auch ich würde Dir eher zu einer mittelschnellen Rute raten, jedoch ist so ein Rat recht schwierig, da jeder Mensch sein eigenes „Timing“ im Fliegenfischen hat. Dazu kommt das subjektive Empfinden eines Jeden, sprich „was der eine schnelle findet, ist für einen anderen höchstens mittelschnell“.

Bezüglich Wurfweiten ist zu sagen, dass diese durch die Uebung von alleine kommen und nur sekundär vom Gerät abhängig sind. Es ist also auch möglich mit einer parabolischen Rute weite und weiteste Würfe zu tätigen!

In der Regel ist es so, dass die Rutenaktionen meist auch einen Zusammenhang haben mit dem Rückstellvermögen des Blanks. Das heisst, eine Rute mit Spitzenaktion wird eher eine schnellere Rute sein, eine mit parabolischer Aktion eher eine langsamere. Das Rückstellvermögen ist jedoch auch in hohem Masse von den Materialeigenschaften abhängig (hochmodulierte Kohlefaser). Da das Leistungsdenken auch die Fischerei erreicht hat und in der Fliegenfischerei gerne auch die Wurfweite als messbares Leistungskriterium betrachtet wird. Die Werbung hat hier auch ihren Teil dazu beigetragen mit „höher, weiter, schneller usw.“. Einzig die Fische haben die Botschaft der Werbung noch nicht begriffen, indem gerade bei der Trockenfliegenfischerei weichere Ruten, mit sanften Präsentationseigenschaften eher verführerische Resultate liefern können. Gänzlich anders, als bei der Trockenpräsentation sieht es beim Hechtstreamer aus. Hier dürfte der steife Prügel klar Vorteile haben, auch wenn ich hier nicht auf eigene Erfahrung zurückgreifen kann. (Hatte noch nie ein halbes Hähnchen auf der Flugbahn). Du siehst, dass Trockenfliegenfischen und streamern auf Hecht ungefähr so nahe beieinander liegt wie Felchenpimpen und Wallerangeln. Aus meiner Sicht kommst Du längerfristig nicht um die Anschaffung von zwei verschiedenen Ruten herum. Wenn Du bei der Fliegenfischerei bleiben wirst, wird Dir ein allround Prügel dann auch kaum mehr Freude bereiten.

Für den Bergsee würde ich Dir, in Kenntnis der Fischgrössen, welche zu erwarten sind, zu einer Klasse 5 raten, und zwar in 9 Fuss. Die Klasse 5, da diese noch zum trocken Fischen geeignet ist, was eine 6er aus meiner Sicht schon nicht mehr optimal ist und die 9 Fuss Lang ist, weil bei unseren Bergseen relativ wenig Rückraum vorhanden ist und man so mit einer längeren Rute besser zurecht kommt. Ich denke, dass es sogar möglich sein sollte, mit einer 5er leichte Hechtstreamer noch transportieren zu können, wenn auch suboptimal.

Den wichtigsten Rat, welchen ich Dir geben kann ist aber, dass Du bevor Du dir eine Rute kaufst, erst das Werfen erlernst. Damit schaffst Du die Grundlage, um unterschiedliche Rutentypen und deren Eigenschaften auch beurteilen zu können.

Ich durfte schon manchem Kollegen den Einstieg ins Fliegenwerfen vermitteln und biete es auch Dir an. Bei Interesse > PN.
Gruss Kurt

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Beitrag von gonefishing » Do 13. Dez 2007, 09:01

Vielen Dank für die vielen Tipps!

Ich sehe schon, das ist eine Wissenschaft für sich, und es macht wenig Sinn ein Schnäppchen-Set zu kaufen und dann zu merken dass es einem nicht passt.

Wobei wenn man so ein Set für 10€ ergattert auch nicht viel verloren ist.

Aber ich denke ich mache erstmal einen Kurs, am besten da wo ich auch unterschiedliches Material testen kann. Werde evtl.auf dein Angebot zurückkommen, Kurt.



Noch eine Frage:

Ist es überhaupt möglich mit der gleichen Schnur mit Trockenfliege und mit Streamer zu fischen, oder scheitert's schon daran? Bzw. kann man mit einer schwimmenden Schnur und einem entsprechend langen Vorfach den Streamer auch tiefer anbieten?



Gruss, Mattu

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Beitrag von zuma » Do 13. Dez 2007, 10:30

Hallo Mattu

Es kommt dabei auf die Gewässertiefe an, aber grundsätzlich spricht nichts gegen die Verwendung einer Schwimmschnur. Allzu schwere Streamer werden beim werfen eh schwierig sein und die leichteren sinken auch nicht so tief. Eine sinkende Vorfachspitze an einer Schwimmschnur und ein leichter Streamer dürften hier eine befriedigende Kombo sein.

Stehen die Hechte meist tief im Murtensee?
Gruss Kurt

(Bambus-&Trockenfliegenpurist)

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Beitrag von gonefishing » Do 13. Dez 2007, 12:52

zuma hat geschrieben:Stehen die Hechte meist tief im Murtensee?


Nein, tendenziell sogar eher etwas flacher als in anderen Gewässern.

Sollte von daher kein Problem sein, und ein feines Stahlvorfach sollte den Streamer schon etwas runter ziehen.

Hmmm, da muss ich gleich an die diesjährige Hechteröffnung zurückdenken, frühmorgens mit Wathosen vor den Schilffeldern. Das ganze dann noch mit der Fliegenrute, glaub' das muss ich lernen ;-)



Gruss, Mattu

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Beitrag von zuma » Do 13. Dez 2007, 13:37

Hallo Mattu

Ich denke, aufgrund der Fotos von Deinem Bericht, dürften gerade solche Stellen vor den Schilffeldern ideale Voraussetzungen bieten, um die Hechte mit der Fliege zu fangen. Das riecht förmlich nach Hechtstreamern.
Gruss Kurt

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Beitrag von gonefishing » Do 13. Dez 2007, 14:27

@Kurt:

Ja, das habe ich mir eben auch gedacht. Daneben würde es eben auch die Bergseefischerei interessanter machen ;-)



Gruss, Mattu

harro

Beitrag von harro » Do 13. Dez 2007, 16:48

Ciao Mattu,

evtl.kann ich dir auch noch einen Typ geben.Geh jetzt auf keinen Fall ins Geschäft und Kauf eine Fliegenrute.Investiere deine ersten Fliegenfischerfränkli in einen guten Grundwurfkurs bei einem guten Instruktor.Ich habe Kurse gemacht beim Bernhard und Hans Spinnler.Hans ist der absolute Flyfisher in der CH(eigene Meinung!).Wenn du dann mal die Trockene oder eine Goldkopfnymphe,Schnurklasse 5 oder 6, auf 10-15m befördern kannst mach den Versuch mit einer schwereren Schnurklasse(8) und probiere mit einem Streamer auf die gleiche Weite zu kommen.Du wirst erschrecken am Anfang!Du musst wieder üben,üben.Merke dir:Fliegenfischen ist die teuerste Art keine Fische zu Fangen!Aber die Spannendste!Wenn du nächste Saison ab dem 16.Juni mal mitkommen willst an den Blausee auf der Frutt melde dich.Aber zuerst lerne das Werfen mit einer 5-6er WF oder DT Schnur.

Gruss Thomas

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