In den Ferien 2009 zog es mich wegen dem Arctic Char, dem Seesaibling nach Grönland. Wobei eine Reise dorthin, wie ihr sehen werdet, auch ausserhalb der Fischerei sehr attraktiv ist. Nehmt euch Zeit.... es ist etwas lang geworden

Grönland ist die grösste Insel der Welt, bedeckt mit Inlandeis bis über 3 km tief.
Unser Seesaibling kommt ursprünglich aus dem hohen Norden. In Grönland lebt er in der Inlandform wie in unseren Alpenseen, aber vor allem auch in der Wanderform: zum Fressen das Meer - für die Liebe das Süsswasser. Auf diese Art wird man grösser und ein begehrtes Fangobjekt. Im Gegensatz zum Lachs fressen die Fische aber auch im Süsswasser und verbringen den Winter in Fluss und See um sich dann erneut im Meer sattzufressen.

Ein Arctic Char gefangen in einem kleinen Fluss unweit von Nuuk der Hauptstadt von Grönland. Die Farbe verrät das sich der Fisch schon einige Zeit im Fluss aufgehalten hat.

Ein weiblicher Moschusochse. Die urtümlichen Tiere trotzen auch der schlimmsten Kälte, benötigen aber niederschlagsarmes Weideland. Die nächsten Verwandten sind die Ziegen.
Südöstlich von Kangerlussuaq hat sich nach einem Besatz von der grönländischen Ostküste her, eine der grössten Population der Welt gebildet. Sie werden wie die Rentiere bejagt und sind nicht domestiziert.
Als Reisezeit wurde August – September ausgewählt. Dies vor allem wegen den Moskitos, die mit zunehmender Trockenheit und den ersten Frostnächten rasch verschwinden.

Es war schon fast eine Freude einem Moskito zu begegnen. An einigen Stellen um Nuuk und nördlich von Illulissat waren aber teilweise beissende Gnitzen noch lästig. In der Region von Kangerlussuaq herrschte Friede, kein Viech weit und breit.
Grönland ist in erster Linie viel Natur und Einsamkeit. Etwas abseits der kleinen Ortschaften und frequentierten Touristenpfaden ist man rasch einmal ohne jegliche Infrastruktur auf sich alleine gestellt (kein Mobiltelefon, keine Strasse, kein Haus, bestenfalls ein Wanderweg - oder auch nicht). Transportmittel sind Flugzeug, Heli und Boot – im Winter/Frühling wäre dann noch Hunde- oder Motorschlitten möglich.
Zum Fischen könnte man bei einigen Anbietern einen Aufenthalt in einem Fischcamp buchen, dies war aber nicht mein Ding. Nebst den touristischen Attraktionen wollte ich das Fischen mit längeren Trekkingtouren auf eigene Faust kombinieren und besonders auch Moschusochsen aufsuchen gehen. Zelten darf man praktisch überall in Grönland und die Möglichkeiten für Touren sind grenzenlos. Übrigens gibt es in ganz Westgrönland keine Eisbären – Entwarnung also. Zuerst ging es von Kangerlussuaq dem internationalen Flughafen von Grönland nordwärts.

Landeanflug in Illulisat. Das Eis ist nie fern. In Illulisat kalbt der grösste Gletscher der nördlichen Hemisphäre in das Meer.

Eine Bootsfahrt zwischen den Eisbergen ist ein muss. Von hier soll auch der Eisberg den die Titanic rammte, hergekommen sein. - sei froh hier nur ein Bild zu finden, die armen Freunde müssen an die Hundert ansehen…

Farbenfrohe Häuser - nicht nur in Illulisat

Illulisat hat mehr Schlittenhunde als Menschen. Die Nächte mit dem Hundegeheul beim Campingplatz sind einmalig.

Die Hunde erhalten im Sommer frischen Fisch. Für den Winter wird Trockenfisch hergestellt..

Wir wandern mit Zelt und Pack nordwärts mit Aufenthalt an einem See mit Saiblingen die vom Meer her zuwandern können.

Tatsächlich wird der erste Fisch von meiner (nichtfischenden) Freundin beim Wasserholen gefangen! Im Uferbereich der meisten Seen nahe am Meer wimmelt es von Stichlingen.

Im Meer gelingt der erste Fang eines Arctic Char bei Flut.

Herrlich rote Filets, genug für zwei Personen.

Als Vorspeise die zuvor bei Ebbe geernteten Miesmuscheln

Verdauungsschläfchen unter freiem Himmel

Es hat schon lange nicht mehr geregnet. Der Abfluss vom See ist ein Rinnsal. Doch bei jeder Flut steigen Saiblinge hoch. Der See ist fast nicht mehr erreichbar, manchmal schwimmt ein Fisch beim Aufstieg auf‘s Trockene! Hier werden sie auch von Hand gefangen.

Ein Polarfuchs -sie sind recht häufig und weniger scheu als unsere Füchse. In der noch hellen Nacht konnte ich beobachten, dass der Fuchs ein gewandter Fischer ist. Er holte sich die Saiblinge aus dem Bach!

Nach dem Besuch einer alten Walfängerstation geht‘s zurück nach Illulisat. Der Hafen sieht plötzlich sehr winterlich aus: Es wird uns berichtet, dass in der letzten Nacht ein grosser Eisberg mit lautem Krachen auseinandergeborsten ist. Die vielen Eisstücke bedecken nun großflächig das Meer, auch den Hafen. In Illulissat ein häufiger Vorfall. Die Eisberge stauen sich am Ende vom Fjord vor dem Meer an einer Untiefe an. Ebbe und Flut und die nachrückenden Eisberge bearbeiten das Eis stetig.

Vor der Weiterreise nach Nuuk wandern wir der Küste vom Eisfjord entlang. Ausser dem gelegentlichen fernen Krachen der Eisberge ist es sehr still. Doch dann taucht periodisch und immer lauter ein neues Geräusch auf. Das Atmen der Wale war lange vor deren Sichtung zu hören.

Lange staunen wir am Abend von der Anhöhe her über die Grösse und Schönheit der Eisberge. Je tiefer die Sonne, umso wärmer erscheinen sie.

Nach dem Flug Richtung Süden über den Polarkreis hinweg, lassen wir uns von Nuuk aus per Bootcharter an einem Fjordende für ein par Tage absetzen. Die Region hier ist sehr gebirgig.

Das Meer ist nährstoffreich.

Der erste Fisch: ein Grönlanddorsch.
Ein herrlicher kleiner, klarer Fluss.

Ein Gumpen voll mit Saiblingen, oben links zu sehen. Fischerherz, was brauchst du mehr?

Im Gegensatz zu Kangerlussuaq und Illulisat hatte es in Nuuk mehr geregnet. Hier gab es Pilze und…
…die begehrte Blaubeere.
Und die Saiblinge liessen sich fangen! Oben ein frisch aus dem Meer aufgestiegener Fisch und unten ein schon länger im Fluss aufgehaltener Saibling. Beide waren herrlich fitt beim Fang.
Zurück nach Nuuk geht‘s zu Fuss. Es sind zwei strenge Tagesetappen zu bewältigen. Hier die erste Etappe mit schöner Aussicht zum Fjordende hin.

Schon wieder Fisch zu essen! Der Fang vom Vortag wird auf glühendem Meerestang bereitet. Eine neue Erfahrung dass sich mit trockenem Tang ein Feuer bereiten lässt - auch wenn es sehr stark raucht. Nicht immer ist genügend trockenes Holz verfügbar.
Die nächste Etappe führt hoch über die Berge zurück nach Nuuk. Auf einem Plateau finden wir viele, sehr kleine Blumen.
Allüberall in Grönland, besonders an feuchten Stellen findet man auch die Nationalblume, das grönländische Weideröschen.
Zurück in Nuuk lassen wir uns mit regionalen Spezialitäten verwöhnen.
Im B&B wird uns schon am Morgen die Nähe vom Meer bewusst gemacht.
Beim Walewatching gelingt endlich ein Foto der Schwanzflosse….
….Und am Abend sogar noch vom Ufer aus.
Der Sonnenuntergang dauert Stunden. Ganz spät in der Nacht sehen wir erstmals das Polarlicht.
Abflug Richtung Kangerlussuaq.
Im kleinen Einfluss von Lake Ferguson liessen sich Inlandsaiblinge auf Trockenfliege fangen

Die Ähnlichkeit zu unserem Seesaibling ist eindeutig. Das Fleisch war tief orange.
Ostwärts geht es auf eine lange Rundwanderung. Rentiere sind meist sehr scheu, aber manchmal auch neugierig auf das was da vorbeikommt.
An den vielen Seen findet man überall Spuren vom Federvieh.
Diese Kanadagans liess sich ausnahmsweise nicht erschrecken…..
…den meist sieht man sie am Himmel in Flugformation…
Ein schöner Zeltplatz am See. Die Nahrungsmittel müssen wir jeweils sorgsam verpacken den …
…die Polarfüchse sind nie weit.
Eistaucher sind geschickte Fischer. Sie haben eine schöne, exotische Stimme.
Je weiter ostwärts wir wandern umso häufiger begegnen wird den herrlichen Moschusochsen.
Sie sind sehr fotogen, richten ihren Blick aufmerksam dem Besucher entgegen und haben eine kurze Fluchtdistanz.
Vorsicht ein Bulle, zu nahe gehen sollte man nicht. Meist werden die Tiere zwar flüchten, aber die Bullen entscheiden sich manchmal auch anders….
… ich sehe das stolze Tier immer noch vor meinen Augen, mit gesenktem Haupt galoppierte er plötzlich direkt auf mich los…. meine Füsse reagierten schnell und der Bulle war mit meiner Flucht Gott sei Dank zufriedengestellt.
Hier haben die Moschusochsen die Flucht ergriffen.
Auf dem Weg zum Inlandeis begegnen uns jede Menge der Tiere.
Mutter mit einem Jungtier.
Typisches Verhalten bei einer Bedrohung. Die Tiere gruppieren sich und nehmen die Jungtiere in die Mitte. In Ostgrönland müssen sich die Moschusochsen vor den Wölfen schützen. Diese haben es vor allem auf die Jungtiere abgesehen. Hier in Westgrönland ist der Mensch als Jäger der Feind. Trotz der Jagdzeit haben wir während den 14 Tagen keinen Menschen gesehen. Im Herbst wird wohl vor allem dort gejagt, wo der Transport per Boot erfolgen kann. Wir fanden manchmal Stellen an denen viele Schädel ohne Gerippe beisammen lagen. Ich vermute das die Jagd hier stattfindet, wenn der Transport per Schlitten erfolgen kann.
Ein alter Bulle aus sicherer Position aufgenommen. Wir waren Zeuge von einem Kräftemessen zweier Bullen, wohl um die Gunst der Weibchen. Die Viecher rannten aus einer Distanz von gut 50 m in vollem Tempo aufeinander. Es knallte laut. Dies wiederholte sich acht mal! Erst dann verabschiedete sich einer der beiden.
Wandert man von der Küste gegen das Inland, so taucht in Grönland bald einmal eine endlose Eisfläche auf. Am Rand hat es viele Seen mit Schmelzwasser.
Entlang der Grenzzone zwischen Land und Eis finden wir einen See vor, dessen Wasser sich Richtung Inlandeis fast vollständig entleert hat.
Der Ausfluss geht unter das Inlandeis.
Auch ganz am Eis sind die Moschusochsen zuhause. Wir sehen Inseln in den Gletscherseen und Inseln in der Eismasse. Beide Orte habe die Moschusochsen aufgesucht. Moschusochsen sind auch gute Schwimmer.
Im Versteck den Rentieren aufgelauert, denn meist sieht man sie sonst von hinten…
…und schon haben sie die Flucht ergriffen.
Im September werden die Tage rasch kürzer. In den warmen Schlafsäcken lässt sich bei guten Bedingungen ohne Zelt das Polarlicht der Nacht geniessen.
Meist kochten wir unser Essen auf dem Spritkocher. Doch ab und zu wurde auch ein Feuerchen gemacht. Neue Erkenntnis: einjähriger Moschuskot brennt ganz gut und die Rentiergeweihe sind perfekte Stützen…

...und am Fluss kann mit abgestorbenem, trockenem Weidenholz ein Ofen oder auch eine Sauna betrieben werden.
Nach zehn Tagen Wildnis ist ein frischer Kuchen der reine Luxus!
Welche Überraschung: ein heulender Fuchs. Sein Geheul hat mich aber nicht so ganz überzeugt - er sollte bei Schlittenhund und Wolf sich schulen lassen.
Recht oft findet man das Gerippe von Moschus oder Rentier. Der Winter ist lang und hart. Fuchs und Krähen profitieren.
Das letzte Camp mit Sicht auf das Inlandeis.
Ein letzter Besuch vom Moschusochsen. Schlussendlich waren wir beim zelten viel weniger bedroht worden, als das auf einer Kuhweide der Fall gewesen wäre.
Ein treuer Begleiter unserer Trekkingtour war der Steinschmätzer.

Ein letztes mal fange ich ein par Inlandsaiblinge aus dem Bach für unser letztes Nachtessen der Tour. Hier haben wir auch noch vom Start der Rundwanderung einen Schluck Weisswein in einem Depot parat.
Die Zivilisation meldet sich zurück. Von Kangerlussuaq sind die grossen Treibstofftanks deutlich zu sehen.
Uff...
Zweifelsohne haben uns diese Ferien grosse Freude gemacht, wohl auch weil sich das Wetter allermeistens von der besten Seite zeigte. Ich hoffe auch die Betrachter vom Forum finden gefallen daran.
Doch wie war das Fischen?
Vor Ort erwies es sich als nicht immer einfach, einen Transport per Boot zu organisieren. So mussten wir teilweise die ursprünglich geplanten Touren umdisponieren. Besonders wegen der beginnenden Jagdzeit, war die Jagdbegleitung für die lokalen Outfitter wesentlich attraktiver, als zwei Touristen irgendwo abzusetzen und dann später wieder abzuholen. Nach einer telefonischen Transportzusage wurden wir wahrscheinlich deshalb am Flughafen von Kangerlussuaq einfach nicht abgeholt! Das war ein Reisenfrust und die Saiblinge im Robinson River blieben verschont von mir. Aus dieser Erfahrung empfehle ich also möglichst im voraus den Transport in verbindlicher Form zu buchen. Das Fischen kam aus diesem Grund etwas zu kurz…. aber eine einmalig schöne Wandertour entschädigte und das gesparte Geld wurde im Gourmet-Restaurant zu Moschus- und Rentierfilet umgemünzt. Wenn ich nochmals gehe, nehme ich vielleicht ein Seekajak. Auf diese Art liesse sich manch ein schwer zugänglicher Meereszufluss erforschen….
…und die haben es in sich!
Die Saibling liessen sich mit der Fliege sowohl im Meer wie im Süsswasser sehr gut fangen. Mit der Flut finden sich Schwärme an vielen Einflüssen von Bach und Fluss ein. Dies war auch noch Ende August so, wobei die Fische kleiner sind als am Saisonanfang im Juli. Dafür wird nicht mehr so intensiv mit dem Netz gefischt. Teilweise sah ich noch gespannte Seile über den Flüssen, die jeweils mit Netzen behängt werden. Das Gesetz schreibt vor das maximal die Hälfte vom Fluss vernetzt werden darf. Doch sind Kontrollen selten…
Zum Fliegenfischen attraktiv ist klares Wasser, die meisten grönländischen Flüsse kommen aus dem Innlandeis. Die sind sehr trübe und bringen viel Sand mit. Etwas besser sind Flüsse die in grossen Seen Sedimente absetzten können und ev. auch durch klare Zuflüsse ergänzt werden. Aber die Saiblinge steigen auch im trüben Wasser hoch. Das Fischen war anders als gewohnt: Im Meer kommt der Saibling bei Flut schwarmweise, oft nahe der Wasseroberfläche regelmässig bei den Einflüssen vorbei. Mein erster dieser Torpedos schoss ab wie eine Rakete. Beim Landen dann sah ich dass er leider geschränzt war. Der Fisch hängte sich von selbst ohne Zug an der Flosse auf. Auch im Fluss stehen die Fische oft in grösseren Schwärmen dicht zusammen. Dann hat es oft auch kleinere Saiblinge im Fluss die immer am schnellsten die Fliege packen, weil diese im Gegensatz zu den aufsteigenden Fischen seit langem im Fluss leben und offenbar intensiver nach Nahrung suchen. Diese Probleme galt es zu meistern. Im Fluss lernte ich die Fliege von oben her an gespannter Leine zu den Fischen treiben zu lassen und dort diese zum Anbiss zu reizen. Auf diese Weise gab es kaum noch Flossenfänge. Je länger der Saibling im Fluss ist, umso schöner wird seine Farbe, umso weniger attraktiv aber sein Fleisch. Im Meer war es schwieriger die schnellen Schwimmer stets sauber zu haken. Die Torpedos kämpfen auch mit der Fliege im Maul enorm. In Zukunft würde ich hier ein Versuch mit Kreishaken machen - oder noch besser Fliegen mit einem Mono als Krautschutz/Schränzschutz einsetzten. Vermutlich wäre die Beissfreudigkeit zu Saisonbeginn besser gewesen. Am attraktivsten war der Fang frisch aufgestiegener Saiblinge im Fluss. Es würde mich interessieren wer ähnliche Erfahrungen beim Fischen in Schwärmen gemacht hat und mit welchen Mitteln sich die Schränzgefahr verkleinern lässt.
für dem Hammer Bericht und die Traumhaften Bilder!!!
